Ittigen (BE)
Die Gemeinde Ittigen hat selber vier LEM (einen PW, ein Nutzfahrzeug,
einen Roller und ein Elektrovelo) angeschafft und vermietet diese
an ihre Einwohner und Firmen zu Fr. 56.- pro Tag (Fr. 30.- pro
Halbtag, PW). Damit sollen die Einstiegsschwelle in die neue Technologie
gesenkt und der Zusammenhang von LEM und öffentlichen Verkehrsmitteln
gefördert werden. Parallel dazu unterstützt die Gemeinde
Car sharing Organisationen als Ersatz zum individuellen Fahrzeugbesitz.
Die Arbeitsgemeinschaft für dezentrale Energieversorgung
Bern (ADEV) führt im Auftrag der Gemeinde ein LEM-Center.
Zu seinem Aufgabenbereich gehören die Vermietung der LEM,
die individuelle Beratung der Bevölkerung sowie die Öffentlichkeitsarbeit.
Das Partnerschaftsprojekt wurde im Oktober 1995 mit einer Sonderausstellung
an der «Waren- und Gewerbeausstellung Ittigen» (WAGI)
offiziell eröffnet. Im Mai 1996 fand ein Tag der offenen
Tür des LEM-Centers statt. im selben Monat organisierte die
Gemeinde im Talgutzentrum, dem grössten Einkaufszentrum in
der Gemeinde, eine LEM-Frühlingsausstellung. An diesen beiden
Tagen wurden 75 Probefahrten durchgeführt. Im Jahr 1996
wurden die Fahrzeugen insgesamt 96 mal vermietet.
Alle Erstmieter von LEM erhielten einen Fragebogen, etwas mehr
als 50% sandten ihn ausgefüllt zurück. Diese Befragung
ergab einen sehr hohen Grad der Zufriedenheit mit den Dienstleistungen
des LEM Centers. Bei den Fahrzeugen wurde die Funktionstüchtigkeit
und der Fahrkomfort positiv beurteilt. Als häufigste Negativpunkte
wurden technische Mängel und die beschränkte Reichweite
genannt. 44% der befragten Personen haben die Miet-LEM für
Freizeitfahrten eingesetzt, 24% für Einkäufe, 19% für
Geschäftsfahrten. Für den Arbeitsweg wurden sie wenig
benutzt (13%); die Hauptzielgruppe der Autopendler konnte also
bisher offensichtlich noch zuwenig angesprochen werden. Die Mehrheit
der befragten Personen (65% «ja», 29% vielleicht)
gab an, wieder ein LEM mieten zu wollen.
Bruno Liesch, Projektleiter des LEM-Projektes in Ittigen
«Bei der Vermietung hat man vor allem mit Qualitäts-
und Reichweitenproblemen zu kämpfen. Neben der Reduzierung
des Kaufpreises sollten Anstrengungen zur Erhöhung von Qualitätsstandards
auf das Niveau von herkömmlichen Fahrzeugen vorgenommen werden.
Punkto Reichweite würden 150-200 km pro Ladung zu einer
hohen Akzeptanz führen. LEM würden damit für die
Zukunft neben den öffentlichen Verkehrsmitteln eines der
wichtigsten Nahverkehrsmitteln darstellen. Der Grossversuch mit
LEM in Mendrisio und die Zusammenarbeit mit den Partnergemeinden
stellen den Grundpfeiler für eine Entwicklung in diese Richtung.»
Im Juni 1996 wurde in Koordination mit der Erhebung in Mendrisio
eine telefonische Befragung bei ca. 250 Personen aus Ittigen durchgeführt.
Das LEM-Center war zu diesem Zeitpunkt bereits gut bekannt (70%).
Bei den Fördermassnahmen zeigte sich das starke Engagement
der Gemeinde im Bereich Vermietungen: 66% der Befragten kannten
dieses Angebot, im Gegensatz zu den Beiträgen an den Fahrzeugkauf,
die lediglich 29% der Befragten bekannt waren. Allerdings gaben
lediglich 13% an (15% vielleicht), in den nächsten Monaten
ein LEM mieten zu wollen.
|