E-Mobile-Kauftipps
Von Susanne Wegmann, wegmet@bluewin.ch
Wer sich mit dem Gedanken trägt ein Elektromobil zu beschaffen,
merkt bald, dass einiges anders ist als beim Kauf eines herkömmlichen
Autos. Hier einige Hinweise, worauf besonders zu achten ist und
wo weitere Informationen zu finden sind.
Grundsätzlich sind beim Kauf eines E-Mobils die gleichen
Kriterien zu beachten, wie sie auch bei einem Auto mit Verbrennungsmotor
interessieren. Dennoch gilt es vorgängig einige zusätzliche
Fragen zur beabsichtigten Verwendung des Fahrzeugs zu beantworten
und bei der Modellwahl teilweise andere Aspekte mit einzubeziehen
Generelle Überlegungen
Vorteile
Mit Strom betriebene Fahrzeuge haben gegenüber jenen mit
einem Verbrennungsmotor einige Vorteile: Sie fahren abgasfrei,
energiesparend und fast geräuschlos. Dies gilt gerade auch
im stehenden Verkehr, vor einem Rotlicht oder im Stau etwa, und
ohne dass der Motor bewusst abgestellt werden muss. Der Wirkungsgrad
des Elektromotors ist hoch und der Energieverbrauch mit umgerechnet
ein bis zwei Liter Benzin pro 100 Kilometer entsprechend klein.
Bei Talfahrten lässt sich dank Rekuperation sogar Energie
zurückgewinnen.
Zudem bietet das E-Mobil die Möglichkeit, die für die
Fahrten benötigte Energie aus anderen Energiequellen zu gewinnen.
In der Schweiz stammt der Strom zum Beispiel zu 60% aus erneuerbarer
Wasserkraft, er kann aber auch in Solaranlagen erzeugt werden.
Benzin als fossiler Energieträger lässt sich so für
das Autofahren nach Wunsch durch erneuerbare Energien ersetzen.
Handikaps
Im Vergleich zu Benzin oder Diesel haben die Batterien allerdings
eine spürbar geringere Energiedichte. Aus dieser physikalischen
Tatsache ergeben sich gewisse Nachteile für die E-Mobile.
Die Reichweite ist begrenzt, das Laden beansprucht ein Mehrfaches
an Zeit im Vergleich zum Tanken und findet in der Regel nicht
an einer öffentlichen Ladestation, sondern zu Hause oder
allenfalls am Arbeitsplatz statt.
Ferner ist die Höchstgeschwindigkeit der E-Mobile tiefer.
Zudem sind die Leistungsreserven kleiner. Letzteres macht sich
beispielsweise beim Überholen oder bei Bergfahrten bemerkbar.
Mit ihrem hohen Anteil am gesamten Fahrzeuggewicht beeinflussen
die Batterien den Schwerpunkt des Fahrzeugs entscheidend. So,
wie die Batterien in einigen der heute auf dem Markt angebotenen
E-Mobile plaziert sind, vermögen sie die Bodenhaltung im
Vergleich zu Autos mit thermischen Motoren allerdings auch zu
verbessern.
Besonderheiten
Da der Elektromotor im Gegensatz zum themischen Antrieb beim Fahren
kaum Wärme abgibt, kann diese im Winter natürlich auch
nicht zum Heizen genutzt werden. Einige E-Mobile haben deshalb
eine Benzin- oder Gasheizung, die jedoch nur sehr wenig Energie
braucht und entsprechend kaum Abgase verursacht. Andere Modelle
verfügen über ein elektrisches Heizsystem. Eine weitere
Besonderheit vieler E-Mobile ist, dass sie ohne Kuppeln und Schalten
wie mit einer Automatik zu fahren sind. Immer weniger E-Mobile
haben eine Gangschaltung.
Fahrzeugwahl
Modellangebot
Vor allem die 4-plätzigen E-Mobile sind meist umgerüstete
Grossserienfahrzeuge, die ihre Hersteller als Auto mit Benzin-
oder Dieselantrieb konzipiert haben und auch hauptsächlich
als solche verkaufen. Zunehmend kommen nun auch Fahrzeuge auf
den Markt, die als E-Mobile entwickelt wurden und entsprechend
gut auf den elektrischen Antrieb abgestimmt sind. Dies gilt derzeit
vorab für ein- und zweiplätzige Fahrzeuge.
Einsatzbereich
Vorgängig zu einem E-Mobil Kauf abzuklären ist, wer
das neue Fahrzeug und zu welchem Zweck benutzen wird. Fährt
öfters die ganze Familie mit, wird wohl am ehesten ein 4-Plätzer
in Frage kommen. Dient das E-Mobil als Zweitwagen respektive für
Fahrten von nur einer oder gelegentlich zwei Personen, bietet
ein wendiges zwei- oder einplätziges Fahrzeug beispielsweise
beim Parkieren zusätzliche Vorteile. Stehen Gütertransporte
im Vordergrund, ist ein kleines Nutzfahrzeug mit entsprechender
Zulademöglichkeit zu empfehlen.
Stadt- und Nahverkehr
Der ideale Einsatzbereich der E-Mobile ist unbestrittenermassen
im Stadt- und Nahverkehr: zum Pendeln oder Einkaufen, als Zubringer
zum öffentlichen Verkehrsmittel und für andere regelmässig
gefahrene Kurzstrecken. Hier kommen die Vorteile voll zum Tragen
und fallen die Nachteile kaum ins Gewicht. Die heute auf dem Markt
angebotenen neuen Fahrzeuge erfüllen alle Anforderungen für
diesen Einsatzbereich. Um Überland nicht zum Verkehrshindernis
zu werden, ist es für häufigere Fahrten auf Landstrassen
jedoch empfehlenswert, ein Elektroauto zu wählen, das eine
Geschwindigkeit von 80 km/h mühelos erreicht.
Fernfahrten
Femfahrten sind zwar grundsätzlich auch mit einem E-Mobil
möglich. Solche Ausflüge erfordern aber der begrenzten
Reichweite wegen mehr Zeit und eine bessere Reiseplanung. Schliesslich
ist - je nach Batteriekapazität und Fahrstrecke - alle 50
bis 80 Kilometer eine Nachlademöglichkeit zu finden. Ein
Zwischenladen während zwei bis vier Stunden vermag die Reichweite
aber spürbar zu vergrössern.
Lademöglichkeiten
Reichweite
Die Reichweite ist nicht nur von der Batterie und dem Fahrzeugtyp
abhängig, sondere ebenso von der jeweiligen Fahrstrecke und
der persönlichen Fahrweise. Viel Energie verbrauchen starke
Beschleunigung und anhaltendes Fahren mit Höchstgeschwindigkeit.
Bergfahrten reduzieren die Reichweite des Fahrzeugs ebenfalls.
Als Faustregel gilt, dass 100 Meter Höhendifferenz die Reichweite
um etwa 5 Kilometer verkürzt. Da bei Talfahrten Energie zurückgewonnen
wird, zählt nur der Nettohöhengewinn. Ausserdem können
tiefe Aussentemperaturen die Batterielebensdauer und die Reichweite
reduzieren.
Private Lademöglichkeit
Die meisten E-Mobile werden nachts im Niedertarif und zu Hause
geladen. Der Zugang zu einer normalen Steckdose ist hierfür
nötig. In der Regel genügt die übliche 10 Ampére-Sicherung.
Bei einigen grösseren Fahrzeugen sollte der Anschluss aber
besser mit einer 16 Ampére-Sicherung abgesichert sein.
Wird in einer gemeinschaftlichen Parkhalle geladen, kann ein Stromzähler
die exakte Abrechnung erleichtern. Für eine Vollladung der
Batterien der Elektroautos sind zwischen 12 und 18 Kilowattstunden
nötig, was je nach örtlichem Stromtarif etwa zwischen
2 und 5 Franken kostet.
Stromtankstellen
Zwar sind E-Mobile für häufige Femfahrten nicht besonders
gut geeignet. Ein immer dichter werdendes Netz an Lademöglichkeiten
erleichtert den gelegentlichen Ausflug aber zusehends. Ein Verzeichnis
(LEMnet) der
öffentlich zugänglichen Stromtankstellen in der Schweiz
ist beim Elektromobil Club Schweiz ECS erhältlich.
Park & Charge
In dieser Liste aufgeführt sind auch die Ladestationen von
Park & Charge. Das
System erlaubt das Nachladen der Batterien auf für E-Mobile
reservierten Parkplätzen mit öffentlich zugänglichen
Ladestationen. Ein spezieller Schlüssel ermöglicht den
Zugang zu allen Park & Charge Stromtankstellen in der Schweiz.
Abgerechnet werden die Stromkosten pauschal.
Betreuung durch die Anbieter
Anbieter
Die kleinen Spezialfirmen haben verständlicherweise zurzeit
noch ein weniger dichtes Verkaufsstellennetz als grosse Automobilfirmen.
Zu berücksichtigen ist jedoch, dass nicht jede Vertretung
der grossen Unternehmen mit den Besonderheiten der E-Mobile vertraut
zu sein braucht. Das Verkaufs- und Servicestellen-Netz ist daher
nicht zwingend dichter als jenes der Kleinanbieter.
Wartung
E-Mobile haben weniger Teile, die einen Service benötigen,
als herkömmliche Autos mit Verbrennungsmotor. So entfällt
beispielsweise der Wechsel von Öl, Kerzen und Filter sowie
natürlich die Abgastests mit allfälliger Neueinstellung
des Motors. Eine regelmässige Überprüfung des Fahrzeugs
gemäss den Angaben des Anbieters ist dennoch empfehlenswert.
Service-Stellen
Im Antriebsbereich kommt bei den E-Mobilen neueste Technologie
zum Einsatz, was naturgemäss ein etwas grösseres Risiko
für Störungen mit sich bringt. Informationen zum Servicestellen-Netz
sind für Fahrerinnen und Fahrer von E-Mobilen folglich von
besonderer Bedeutung.
Kosten
Anschaffungspreis
Trotz Preissenkungen in den letzten Jahren sind die E-Mobile nach
wie vor deutlich teurer als konventionelle Autos. Gründe
hierfür sind die trotz Serienproduktion noch immer kleinen
und kleinsten Stückzahlen, der vergleichsweise hohe Anteil
manueller Facharbeit sowie zum Teil die Leichtbauweise. Zudem
enthalten die E-Mobile neueste und entsprechend aufwendige Technologie
sowie teure Einzelkomponenten, wozu auch die Batterien zu zählen
sind.
Gebrauchtfahrzeuge
Einige Fahrzeuganbieter offerieren neben Neuwagen auch Occasionen
zu interessanten Bedingungen. In der Zeitschrift MobilE sind ebenfalls
Gebrauchtfahrzeuge der unterschiedlichsten Modelle zum Kauf ausgeschrieben.
Der Eintausch des alten E-Mobils ist beim Kauf eines neuen Modells
des gleichen Anbieters fast immer möglich.
Unterhaltskosten
Insgesamt sind die Unterhaltskosten für Fahrzeuge mit Elektromotor
in der Regel spürbar tiefer als für ein Auto mit Benzin-
oder Dieselmotor. Dank laufenden Verbesserungen bei den Batterien
sind auch diese Kosten sinkend und werden immer besser abschätzbar.
Betriebskosten
Die Energiekosten sind für Elektrizität zwar zwei- bis
viermal tiefer als für Benzin. Unter Berücksichtigung
der Amortisation der Batterien ergeben sich für E-Mobile
jedoch meist mit konventionellen Autos etwa vergleichbare Betriebskosten.
Versicherung
Je nach Gesellschaft sind die Versicherungsprämien für
ein E-Mobil gegenüber konventionellen Autos der gleichen
Preisklasse deutlich tiefer. Namentlich bei einer Vollkaskoversicherung
bieten einige Gesellschaften günstigere Bedingungen für
Elektrofahrzeuge an.
Steuern
Einzelne Kantone gewähren für E-Mobile eine Reduktion
der Fahrzeugsteuer oder erlassen diese ganz. Informationen hierzu
erteilt das zuständige Strassenverkehrsamt.
Werbe-Effekt
In einer Gesamtbeurteilung darf der Einfluss auf das Image nicht
unterschätzt werden.
Batterien
Lebensdauer
Die Batterien sind das Herz des E-Mobils. Die am häufigsten
verwendeten Typen sind die Blei- und die Nickel-Cadmium-Batterien.
Die Lebensdauer ist generell grösser, wenn die Batterien
gleichmässig belastet werden. Nickel-Cadmium-Batterien sollten
zudem über einen möglichst grossen Teil ihrer Kapazität
genutzt werden, bevor man sie wieder auflädt. Wo sie vorwiegend
für Fahrten von nur wenigen Kilometern pro Tag gebraucht
werden, kann es sich auszahlen, diese Batterien nicht immer gleich
wieder aufzuladen.
Garantie
In den letzten Jahren sind einige Verbesserungen bei den Batterien
erzielt worden. So können die Anbieter nun für Nickel-Cadmium-Batterien
eine Garantie bis zu 4 Jahre oder 40'000 Fahrkilometer gewähren.
100'000 Kilometer mit den gleichen Batterien zu fahren, scheint
inzwischen durchaus realistisch. Bei den Bleibatterien beginnen
sich Zweijahresgarantien durchzusetzen.
Unterhalt
Der Unterhalt der Batterien ist stark vom gewählten Typ abhängig.
Keine Wartung erfordern zum Beispiel Blei-Gel-Batterien. Gelegentliches,
zentralisiertes Nachfüllen von destilliertem Wasser ist bei
den meisten Nickel-Cadmium-Batterien nötig. Mindestens alle
zwei Monate kontrollieren und allenfalls Wasser nachzufüllen
gilt es bei den Blei-Säure-Batterien. Spezifische Angaben
zu den jeweiligen Batterien sind bei den Fahrzeuganbietern erhältlich.
Entsorgung
Haben die Batterien ausgedient, nehmen sie die Fahrzeuganbieter
zurück und leiten sie ohne zusätzliche Kosten für
Fahrzeugbesitzerin resp. -besitzer an eine spezialisierte Firma
zur Wiederverwertung der wertvollen Rohstoffe weiter. Bleibatterien
werden grösstenteils von einem Unternehmen in Pratteln recykliert.
Sicherheit
Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass auch kleine und leichte
Fahrzeuge sicher gebaut werden können. Diese Ergebnisse fliessen
zunehmend in den Fahrzeugbau ein. Bei den zu E-Mobilen umgerüsteten
konventionellen Autos darf grundsätzlich mit einem ähnlichen
Sicherheitsstandard gerechnet werden wie für die Versionen
mit Verbrennungsmotor. Generell verhelfen E-Mobile zu bewussterem
Fahren und verleiten aufgrund ihres Charakters weniger zu risikoreichen
Manövern. Dies wirkt sich ebenfalls positiv auf die Sicherheit
auch der anderen Verkehrsteilnehmer aus.
Informationsquellen
Marktübersicht
Einen ersten Überblick über das aktuelle Angebot in
der Schweiz und die Anbieter der einzelnen Fahrzeuge ermöglicht
die laufend aktualisierte Marktübersicht des Elektromobil
Clubs der Schweiz ECS. An den periodischen Treffen tauschen ECS-Mitglieder
Erfahrungen mit ihren Fahrzeugen im Alltagsgebrauch aus.
Probefahrten
Umfassende Informationen zu den einzelnen Fahrzeugen sind von
den Anbietern erhältlich. Bei ernsthaftem Kaufinteresse offerieren
die meisten Anbieter ihrer Kundschaft das Fahrzeug während
einiger Zeit im täglichen Gebrauch so probezufahren, wie
es nach einer allfälligen Anschaffung eingesetzt werden soll.
Mietwagen
In zwei Städten besteht für alle Interessierten die
Möglichkeit ein E-Mobil zu mieten:
In Mendrisio bietet die Autonoleggio VEL ein Leichtelektromobil
mit zwei Plätzen an.
Hilfreiche Adressen
ECS (Elektromobil Club
der Schweiz)
Neuwiesenstrasse 9, CH-8630 Rüti ZH
Tel. +41 55 240 64 37, E-Mail: ecs@swix.ch
e'mobile
Rue du Maupas 2, CH-1000 Lausanne 9
Tel. +41/21/310 30 70, Fax +41/21/310 30 40, E-Mail: info@e-mobile.ch
Park & Charge
Bahnhofstrasse 13 CH-8603 Schwerzenbach
Tel. +41 44 820 24 55, Fax +41 44 820 24 44, Mobile +41 79 401
87 04
E-Mail: park-charge@gmx.net
Info VEL
Via Angelo Maspoli 15, CH-6850 Mendrisio
Tel. +41/91/646 06 06, Fax +41/91/646 05 35, E-Mail: info@infovel.ch
Autonoleggio VEL
Via Franchini, CH-6850 Mendrisio
Tel. +41/91/646 81 79, Fax +41/91/922 66 74
|